Art By Laura Bee

- Alles, was Spaß macht -
aber aktuell vor allem Collagen, Linoldrucke und Tusche-Illustrationen :)


Großes Dankeschön ans Stuwertinum für die Plattform im September/Oktober und die Unterstützung!

Über die Ausstellung: "Low Budget Emotionen"

Als ich mich dazu entschieden habe, 2025 mein Erasmus-Semester in Évora, Portugal zu machen, habe ich nicht erwartet, dass ich mit so viel Dingen zu kämpfen habe, wie es dann der Fall war. Neue Kultur, neue Menschen, neue Sprache, neues alles. Und ich habe versucht, mich an allem festzuklammern, was mir Geborgenheit von zu Hause vermittelt hat - eine Sache davon Kunst. Da ich allerdings vergessen habe, mir Blöcke o.ä. mitzunehmen, fing ich an, mit alten Müslipackungen, Kartons und Papiertüten (die dort en masse ausgehändigt wurden) zu improvisieren. Und weil ich diese Beschäftigung teilweise so stark gebraucht habe, um mich mental über Wasser zu halten, habe ich gefühlt das erste Mal in meinem Leben den Anspruch der Perfektion (und daraus folgender Frustration) abgelegt und einfach gemacht. Es hat sich viel in mir verändert.Alle Werke in der Ausstellung sind während und nach meiner Zeit in Portugal entstanden. Sie alle setzen sich damit auseinander, wie es ist, sowohl an einem völlig neuen Ort zurechtzukommen als auch in einem Zuhause, das nicht mehr das ist, was es vor der Abreise war. Neben dem Heimweh und dem "Wieder-Zurück-Weh" habe ich (wie so viele) auch am aktuellen Weltgeschehen zu knabbern gehabt, vor allem bezogen auf alles rund um Patriarchat / Misogynie / Feminismus.Diese Ausstellung ist eine Zusammenkunft aus zwei Kernthemen der letzten 1,5 Jahre meines Lebens:1. Das Fertigwerden mit meiner Emotionswelt, die durch meine Portugal-Erfahrung mächtig aufgewühlt wurde und2. Die Message, dass Kunst für jeden, überall, zu jedem Zeitpunkt da sein sollte. Keine überteuerten Materialien nötig. Kein Druck, das nächste Meisterwerk zu kreieren.Und um das ganze abzuschließen, noch ein "hot take" meinerseits:
Freizeit sollte ein Grundrecht zur Lebenserhaltung sein.
Kunst zu schaffen auch.


Übersicht der Kunstwerke

Nr.TitelJahrVerkauf?
1Ein Fruchtiger Anfang02/2025als Druck
2Évora im Park03/2025Ausschnitt als Druck
3Paris 1+204/2025nein
4Paris 304/2025nein
5Rückzugsort05/2025als Druck
6Woher die Wut?05/2025nein
7Glückseligkeit08/2025als Druck
8Ankunft08/2025nein
9Welche Welt Wollen Wir?08/2025als Druck oder Original 80€
10Fragiles09/2025als Druck oder Original 35€
11Inventur11/2025als Druck oder Original 90€
12Krieg Klima Krise11/2025als Druck oder Original 70€
13Nemesis04/2026als Druck oder Original 70€
14Four Frogs on Their Logs05/2026Original 55€
15Die Krise06/2026nein
16Ist da noch frei?06/2026Original 85€
17Männlichkeit02/2026Original 85€
18Vivaldis Sidequest05/2026Original 130€

Ausstellungsstücke

"Ein fruchtiger Anfang"

Als ich mich die ersten paar Wochen in Évora einzuleben versuchte, wurde das Heimweh und das Vermissen immer größer. Ich wusste, dass es mir helfen würde, einfach drauf loszumalen. Und weil ich von meinen eigenen Ansprüchen genervt war, hatte ich einen Kurzschluss-Moment à la "Egal jetzt!" und nahm mir vor, nichts Großes, nichts Spektakuläres, nichts "Gutes" zu produzieren, sondern einfach nur zu malen um des Malen Willens. Ich griff in meine Federmappe, zog die einzigen bunten Stifte heraus, die es gab (Textmarker) und legte mit einem einfachen Motiv los. Nachdem ich es mir neben den Spiegel an die Wand geklebt hatte, erinnerte es mich jeden Tag daran, dass ich wieder mehr Kunst produzieren wollte, einfach des Prozesses wegen. Bevor es dann zu anderen Werken dieser Ausstellung kam, brauchte es noch zwei "Obst-Momente", bis der Knoten endgültig geplatzt war. Und es fühlte sich danach richtig befreiend an.

"Évora im Pfauenpark"

Eine Sache, die ich in Urlauben schon immer gern gemacht hatte, war meine Umgebung festzuhalten. Ich traf mich mit einer neuen Bekanntschaft, die ebenso gern zeichnete und gemeinsam saßen wir im Park, der dafür bekannt war, freilaufende Pfauen zu beherbergen. Bis heute ärgert es mich ein bisschen, dass ich sie nicht auch versucht habe, aufs Papier zu bringen. Gebäude auf diese Art einzufangen ist für mich besonders entspannend, weil man sich so schön an ihnen "entlanghangeln" kann. Kunst ist eine Übersetzungsleistung vom Realen ins Fiktive und das Übersetzen bei Gebäuden erscheint mir einfacher als bei lebenden Motiven. Ich war zufrieden mit meiner Arbeit auf der Cornflakes-Packung, also klebte ich sie in meinem Zimmer neben das Obst am Spiegel. Meine Freunde hatten mir viele kleine Briefe und Fotos mitgegeben, die ich nach und nach öffnete. Meine Lieblingsbilder pappte ich schnell neben das Türmchen und gab ihnen kleine aufgemalte Bilderrahmen.
Die Bilder sind privat und wieder abgehangen, aber was auf dieser Zeichnung bleibt, ist
a) das Bedürfnis, immer etwas von zu Hause zu sehen, selbst (oder vielleicht vor allem) neben einem Motiv, aus der neuen Umgebung und
b) die Erinnerung daran, dass die Kunst auch dem Kunstschaffenden dienen darf und dadurch nicht etwa "verunstaltet wird", sondern eine Geschichte erzählt.

"Paris 1+2"

2 Monate nach Einzug in Portugal traf ich mich mit meinem Partner in Paris. Die Stadt war gerade so gleichweit von uns entfernt, wenn auch für beide immer noch 16-20 Stunden Fernbus-Erfahrung nötig. Auch wenn ich die größten Augen für meine Reisebegleitung hatte, ließ ich es mir trotzdem nicht nehmen auch in dieser hektischen Stadt Momente der ruhigen Beobachtung herbeizuführen. Ein paar kleine Kartonschnipsel hatten es schließlich auch in meine Reisetasche nach Frankreich geschafft.

"Paris 3"

Ein Tag unserer Parisreise verbrachten wir in Versailles. Neben viel Spazierengehen, auf Wiesen Sitzen und über das Leben Sinnieren habe ich mir auch hier eine markante Szene herausgepickt, die ich abbilden wollte. Beim Skizzieren im Freien merke ich immer wieder, wie egal es am Ende für das Bild ist, ob die Motive nun wirklich die richtigen Proportionen und Abstände zueinander haben. Kurz nachdem ich mit Zeichnen fertig war, habe ich das natürlich ganz anders gesehen...

"Rückzugsort"

Im Mai war schon fast Juni und Juni war schon fast Abreise. Trotzdem fiel es mir mit dem Heimweh nur marginal leichter. Nachdem ich im April einen schönen Paris-Urlaub hatte, war das Stimmungstief im Mai dementsprechend groß. Oft habe ich mich in solchen Situationen bewusst Dingen angenommen, die meinem inneren Kind ein Gefühl von Wohlsein und Geborgenheit gaben. Neben "Alle Staffeln H2O Plötzlich Meerjungfrau" schauen war das auch das sinnbildliche Heraufbeschwören eines Ortes, an dem ich - und jeder andere - sein kann, wie sie möchten. Denn wie schön wäre es, wenn es einen Ort gäbe, an dem man nicht in Habacht-Stellung ankommt und versucht, Ansprüchen und Erwartungen gerecht zu werden. Jedes Mal, wenn ich an ein Bedürfnis meines inneren Kindes gedacht habe (oder erinnert wurde), habe ich das Haus um eine entsprechende Komponente erweitert. Ein Ort zum tanzen, Spaßgetränke trinken, Wärme unter der Lampe spüren - zum Verstecken, Abenteuer erleben, Rätsel lösen und ganz viel mehr. Gespickt mit unzähligen kleinen und großen Elementen erzählt dieses Haus so viele Geschichten, sodass ich nie müde werde, darüber nachzudenken.

"Woher die Wut?"

Videos im Netz, in denen Frauen ihre Geschichte von sexueller Gewalt erzählten, waren keine Neuheit für mich. Aber in Portugal schien mir der Algorithmus besonders viele davon reinzuspülen. Und um ehrlich zu sein, nahm ich auch viele sexistische Verhaltensweisen in der Erasmus-Community war. Manche subtil und manche offenkundig bodenlos. Je nach Tagesform machten mir solche Geschichten mal mehr, mal weniger zu schaffen. Aber Wut hatte ich als Emotion gegen diese Untaten an Stelle von Trauer (oder auch damit gemischt) in Portugal als neues Ventil für mich entdeckt. In dieser Zeit lief mir auch der Song "ANGRY WOMEN" von YAENNIVER & Eunique über den Weg und nachdem ich in Évora mehrmals von Männern aus dem Auto angepfiffen oder angehupt worden war, sprach mir der Text aus der Seele. Also musste ich ihn festhalten und in meinem Zimmer aufhängen.

"Glückseligkeit"

In Portugal waren meine Social-Media-Kanäle in den letzten Wochen vor Abfahrt stark frequentiert mit Menschen, die Collagen schnibbelten. Ich war begeistert von der Idee, bei dieser Technik auch wenig bis keine Fehler machen zu können, weil es gar nicht um die perfekten Linien ging, sondern um starken Ausdruck. Zumindest für mich. Das Ziel, ins Collagieren einzusteigen, wollte ich in Deutschland nicht aus den Augen verlieren und meine Chance witterte ich bei einem Workshop, der tagsüber auf einem urigen Techno-Festival angeboten wurde. Ein Kollektiv aus Berlin verteilte kleine Themen, an denen sich die Collage orientieren sollte. Ich zog "What would a perfect day look like for me?" und hielt es erst einmal für langweilig. Nachdem das Kollektiv aber extra betonte, es solle nicht um "schöne Bilder" gehen, sondern um das Verarbeiten von Gedanken wie bei einer Kunsttherapie, war der Knoten geplatzt und meine Liebe für Collagen entdeckt. Die Message passte genau in das Kredo, welches ich mir in Portugal fest vorgenommen hatte und fortan weiter umsetzen wollte. Zu allem Überfluss gefiel mir sogar das Bild, welches ich geklebt hatte.

"Ankunft"

Die Gefühle von Verloren Sein hielten noch lange an und ich hatte nach wie vor das Gefühl, dass das keiner in meinem Umfeld so richtig nachempfinden konnte, was in meinem Kopf abging. Da ich mir wie so oft nicht anders zu helfen wusste, hielt ich die Gedanken in Bildern fest. Und um es vielleicht den anderen oder meinem zukünftigen Ich besser begreiflich zu machen, schrieb ich direkt daneben auf die Pappe, was mir währenddessen im Kopf umherging.
Aber irgendwo hat diese Collage für mich auch etwas von Aufbruch und von Neuanfang. Gruselig, aber auch im Stande, etwas Gutes zu werden.

"Welche Welt wollen wir?"

Im Buch "Secrets of the Sprakkar" schreibt Eliza Reid über Islands Errungenschaften im Kampf um Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Vor allem aber porträtiert sie Frauen, die die Geschichte Islands verkörpern und prägen. Ein Kampf geführt von Frauen, für Frauen. Nicht immer nett, nicht immer gemütlich und dennoch - oder gerade deswegen - haben diese Kämpfe viel erreicht. Bezahlte Elternzeit, günstige Kinderbetreuung und gender-gerechte gesellschaftliche Werte. Und trotzdem ist auch in Island noch nicht alles perfekt. Während dem Lesen dieses Buches habe ich mich gefragt, wie wir diese Gerechtigkeit nun endlich erreichen sollen. Durch logisches Argumentieren? Durch Umsturz? Durch Rebellion und Revolution? Durch Gewalt? Welchen Weg wählen wir und welche Welt wollen wir? Eine die durch Selbstjustiz die Rechte der Minderheiten im kleinen und großen Raum erkämpft? Eine, in der wir durch Abwarten und Lächeln ein paar Euro mehr Stundenlohn bekommen?
Ergänzend dazu sah ich den Film "Ein Tag ohne Frauen", indem es um den Frauenstreik 1975 in Island ging. Und ich wünschte mir, wir würden es noch einmal schaffen, dass alle Frauen dieser Welt für einen Tag die Arbeit niederlegen, um zu zeigen, dass es ohne uns nicht geht.

"Fragiles"

Als ich am Eingang eines Cafés zwischen bunten Flyern über diese Postkarte stolperte, mischte sich mal wieder meine neu gefundene Collagen-Motivation mit dem "Da kann man noch was draus machen"-Drang. Noch tief in Gedanken von "Welche Welt wollen wir?", beschäftigte ich mich auch in dieser Collage mit der Überlegung, wie es aktuell um Männlichkeit steht und wo es hingehen könnte. Im selben Atemzug erlaubte ich mir allerdings auch, darüber zu sinnieren, wenn Frauen sich um Frauen kümmern und das alles wäre, was es in der Welt gibt. Irgendwie ist es am Ende ein Mischmasch aus Beidem geworden.
Mit freundlicher Genehmigung vom Künstler Daniel Kronenberg kann ich diese Weiterentwicklung eines tollen Gedanken in diese Ausstellung aufnehmen.

"Inventur"

Nachdem ich ein paar Monate zur Wieder-Eingewöhnung verlebt hatte, fühlte es sich in meinem Kopf und meinem Herzen immer noch alles sehr verworren an. Das störte mich, denn langsam musste es doch mal wieder gut sein. Die Antwort meiner Therapeutin war die, die ich schon oft gehört hatte: "Frau B., sie müssen sich auch mal ein bisschen Zeit geben." Aber wie viel Zeit denn noch?! Meinen Pflanzen, die der Zwischenmieter hatte sterben lassen, trauerte ich immer noch mit Wut und Empörtheit hinterher - viel mehr, als es die Pflanzen eigentlich wert waren. Ich konnte mich nicht trennen, von der Vorstellung wie perfekt alles gewesen war, bevor ich nach Portugal ging. Und zwischen Studium, Reproduktionsarbeit und anderen gefühlten Verpflichtungen regte es mich auf, wie lang das Verarbeiten dauerte.
Gefangen in meinem eigenen Kopf, der irgendwo in einem dunklen Wald verloren gegangen war. Alles irgendwie so absurd und komisch, wie wenn man ein Brot mit Sonnenbrille im Fahrradkorb spazieren fährt.

"Krieg Klima Krise"

Aktuelle Politik erschüttert mich jedes Mal, wenn ich einen Blick in sie hineinwerfe. Dass ich die Wahl habe, einen Blick in sie hineinzuwerfen (oder auch nicht), verstehe ich als ein großes Privileg. Selbst diese ausgewählten Blicke machen mich schon wahnsinnig. Man fühlt sich wie ein kleines Kind auf einem großen Stuhl oder wie ein schutzloser Körper in einem schwarzen Gewässer. Ausgeliefert, abhängig, machtlos.
Wie können wir uns alle so durch unseren Alltag wuseln, hier mal lachen, da mal lachen, wenn an anderen Orten das Überleben alles ist, woran die Leute sich festklammern. Es ist makaber und morbide aber irgendwie scheint es zu funktionieren.

"Nemesis"

Frauenhass war mir nichts Neues. Seine ausdifferenzierten Auswirkungen und Ursprünge waren mir allerdings noch nicht so geläufig.
Während meiner Zeit in Portugal wurden mir Inhalte von der Kulturwissenschaftlerin und Autorin Tara Louise Wittwer immer öfter auf diverse Plattformen gespült und die Identifizierung mit ihrer Arbeit war bei mir enorm. Zu Weihnachten wünschte ich mir ihr neustes Buch "Nemesis' Töchter". In diesem Buch beschäftigt sie sich viel mit der weiblichen Wut und wie Frauen von Männern durch die Bank weg mit Labeln überschüttet wurden, die sie nicht nur diffamierten sondern auch töteten (Stichwort Frauenverfolgung mit dem Label "Hexe").
Meine Collage "Nemesis" ist, wie der Name schon verrät, von einer antiken Erzählung geprägt. Nemesis wird im Volksmund als die Göttin der Rache und des Zorns bezeichnet, dabei war ihr alleiniger Lebenssinn die ausgleichende Gerechtigkeit und Bestrafung. Kühl, kalkulierend, rational. Eigenschaften, die man ihr weder in der Antike noch in der heutigen Popkultur zugestehen will.
Für mich ist Nemesis eine missverstandene weibliche Macht, gegen die das Patriarchat alles unternommen hat, um sie ihrer berechtigten Aufgabe und Glaubhaftigkeit zu berauben. Aber Nemesis ist das egal. Sie wird ihre ausgleichende Gerechtigkeit weiterhin verteilen, egal wie andere sie dafür bewerten.
Was sagt uns das? Ich weiß es noch nicht. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr der originalen Nemesis in uns tragen. Vielleicht reicht es aber auch erst einmal, wenn wir uns daran erinnern, dass weiblich gelesenen Personen statistisch gesehen in vielen Bereichen weniger geglaubt wird, sobald sie standhaft ihre Meinung sagen und es nicht mit einem Lächeln und "hihi, aber muss auch nicht" verzieren.

"Four Frogs on their Logs"

In Évora waren meine künstlerischen Ressourcen (wie mittlerweile klar sein sollte) begrenzt. Was sich weder gut mitnehmen noch dort gut neu beschaffen und umsetzen ließ, waren Linoldrucke. Einige wenige Monate vor meiner Abreise aus Deutschland hatte ich mich diesem Medium allerdings zugewandt, mich ausprobiert und richtig großen Gefallen daran gefunden. Ein bisschen schnitzen, ein bisschen rollen, ein bisschen stempeln und am Ende sah das eine nie wie das nächste aus - das Perfektionsproblem damit schon mal ausgehebelt.
Daher war das Bedürfnis groß und nach 6 Monaten ausharren, was das Linoldrucken anbelangte, war eine der ersten Sachen, die ich wieder aufnahm, das Schnitzen, Rollen und Stempeln. Und weil ich ein bisschen Leichtigkeit und Komik zwischen den kleinen und großen Enttäuschungen des Wiederkommens brauchte, ist der Frog on the Log entstanden. Das Motiv ist also schon etwas älter, als es die Beschreibung vermuten lässt, doch für diese Ausstellung habe ich vor Kurzem in vierfacher Ausführung nachproduziert. Das ist ja das Schöne an solchen Linoldrucken.
(Vorschläge für mathematisch-logarithmische Wortwitze für den Frog on the Log werden gern entgegengenommen)

"Die Krise"

Eine ehemalige Arbeitskollegin an der Uni hat mich in vielerlei Hinsicht inspiriert. Geboren in den 70ern, ist sie Gesellschaftskritikerin, Designerin und Sozialwissenschaftlerin mit Leib und Seele. Als sie eines Morgens mit der neusten Ausgabe der taz ins Büro kommt, schwärmt sie von der Sonderausgabe zu Himmelfahrt (bzw. "Männertag"/"Vatertag"). 20 Seiten über Männlichkeit und ihre schädlichen Auswüchse, über Lösungsansätze, Sinnsuche und die Abrissbirne namens Patriarchat. Aber weil sie weiß, dass sie selbst auch nur ein patriarchal sozialisierter Mensch ist, kommt sie nicht drum herum, kurz wie ein Teenager für den Mann auf dem Titelfoto zu schwärmen. Ein Satz der Ausgabe hat es ihr besonders angetan. Nach der Arbeit hole ich mir auch eine Ausgabe, lese ein bisschen quer und beginne eine Collage inspiriert durch meine Kollegin und die Themen in der taz. Sie fragen sich Dinge wie "Was bedeutet heute eigentlich noch Männlichkeit?" Viele Antworten mag es darauf geben. Eine davon ist für mich, dass sich diese Krise bis hin zu Pelicot und Ulmen steigern kann - und das nicht als ein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem.
(Der Text in der linken oberen Ecke ist ein Auszug aus der Einleitung von "Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess" von Manon Garcia)

"Ist da noch frei?"

Ich steige in die Straßenbahn, setze mich vorne links hinter der Fahrkabine an meinen Stammplatz am Fenster. Hinter mir steigt ein betrunkener Mann ein, der eine Minute braucht, bis er sich entscheidet, wo er sitzen will. Auf einmal steht er direkt neben mir und sieht mich hämisch grinsend an, als wäre ich ein Karnickel, das nur noch in die Falle laufen muss. "Ist hier noch frei?" fragt er und zeigt auf den Platz, an dem ich meinen Rucksack stehen habe.
Die gesamte Bahn ist leer, bis auf eine Handvoll Menschen. Ich bin perplex und schaffe es nicht, direkt zu antworten. "Ich würd mich gern hier hinsetzen", lächelt er weiter.
Ich fühle mich leer und wütend gleichzeitig. "Dann setz ich mich aber woanders hin." Ich stehe auf und kalkuliere, wie weit ich mich von ihm setzen kann, damit er auf die Entfernung zu ihm nicht aufmerksam wird, ich mich aber wohl genug von ihm weg fühle. In dem engen Gang rückt er kein bisschen beiseite, sodass ich ihn beim Vorbeigehen zwangsläufig berühren muss. Ich schaffe es ohne Körperkontakt seitlich an ihm vorbei. Er setzt sich auf "meinen" Platz und steigt zwei Haltestellen weiter aus. Ich lasse erst meine Anspannung fallen, als die Türen wieder zu sind und ich ihn nicht mehr sehen kann. Zu dem Gefühl der Leere und der Wut hat sich Ekel gesellt. Ein Ekel, den ich den ganzen Abend nicht abschütteln kann. Ein Ekel, den er mir ungefragt aufgezwungen hat.

"Männlichkeit"

Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland entdeckte ich auf einem Spaziergang durch die Neustadt dieses Ritzel auf der Straße. Dass es "Ritzel" heißt, habe ich erst später gelernt. Aber der Gedanke "Da muss man doch was mit machen!" kam recht schnell und zu Hause wollte ich irgendeine Art von Installation daraus machen.
Ich saß in der Bahn ganz vorn links hinter der Fahrkabine auf meinem gewöhnlichen Platz, von dem ein Typ zuvor aufgestanden war. Auf dem Sitz neben mir entdeckte ich eine fette silberne Kette, die er anscheinend vergessen hatte. "Das passt doch zum Ritzel!" dachte ich mir.
Und während die zwei Metallteile auf meinem Regal standen, kam mir der Gedanke, wie männlich konnotiert sie doch sind und wie doof und einschränkend doch eigentlich diese Konnotation ist. Um diesen Gedanken erst einmal zu lockern, habe ich ein paar Perlen angebracht, weil Männlichkeit auch ästhetisch und elegant sein darf. Kurz nach dem Anbringen, sind mir drei Perlen wieder abgefallen. Um diese fragile Männlichkeit zu unterstreichen, habe ich nur zwei davon wieder angebracht.
Am Ende habe ich versucht, zu repräsentieren, wie eine neue, freiere Männlichkeit verschiedenste Elemente miteinander verbinden könnte. So sehr, bis sie irgendwann gar nicht mehr Männlichkeit, sondern Menschlichkeit genannt werden darf.

"Vivaldis Sidequest"

Ganz im Sinne meiner vererbten "Da kann man noch was draus basteln"-Manier, stolperte ich bei einer spontanen WG-Auflösung über diese kaputte Geige. Viele Menschen hatten schon in dieser Wohnung ihren Alltag bestritten. Über ein Jahrzehnt muss sie schon belebt und geliebt worden sein. Wäre es nicht toll, darüber zu sinnieren, wem sie einmal gehört hat, woher sie stammt, wer sie gefertigt hat und ob da nicht vielleicht auch eine "wichtige" Person dabei gewesen sein mag? Wem hat diese Geige schon eine Freude bereitet?
Und wenn die Geige sprechen könnte, wie lange würde sie dann von Einsamkeit und Verwahrlosung klagen? Meine Empathie geht manchmal über die Lebenden hinaus und schließt auch das Leblose mit ein. Das Mitleid packte mich also und der Geige gab ich die einzige Kunst zurück, in der ich zu ihr sprechen konnte. Ein neuer Zweck von Musik zu bildender Kunst.
Und wenn die Geige sprechen könnte, vielleicht hätte sie sich bedankt... oder beschwert, wie ich es wagen könne, sie so zu entfremden.
Vielleicht ist es gut, dass Geigen in der Regel nicht sprechen, sondern nur singen können.


Verkauf

Wenn dich etwas aus der Ausstellung interessiert, kannst du in der Übersicht der Ausstellungsstücke schauen, ob ich das Werk im Original verkaufe oder ggf. als Kunstdruck/Postkarte. Einige wenige Drucke habe ich auf Vorrat, aber gern lasse ich auch neue anfertigen für die Motive, die dich interessieren. Ob Original oder Druck - du kannst mir eine E-Mail schreiben und mitteilen, an welchen Werken du Interesse hast, dann klären wir den Ablauf. Alternativ kannst du in meinem Shop einige Drucke direkt kaufen oder mich mit einem Trinkgeld deiner Wahl unterstützen :)P.S. Im Shop findest du auch Werke, die nicht in der Ausstellung enthalten sind, z.B. handgefertigte Linoldrucke oder andere Druckmotive.


Über Mich

Hi, ich bin Laura!
Auf meinem Abenteuer des Kunst-Schaffens habe ich mich seit jeher unter Druck gesetzt, perfekt und kohärent zu sein, immer einen Kunststil zu verfolgen und genauso auszusehen, wie all diese KünstlerInnen auf Instagram. Das brachte mich leider dazu, über die Jahre immer weniger Kunst zu kreieren, also beschloss ich im reifen Alter von 22, dass ich mich nicht weiter versuchen würde in selbstauferlegte Schubladen zu drücken. Ich begann einfach das zu machen, was ich im jeweiligen Moment wollte und/oder brauchte (es klingt so simpel, aber das war es ganz und gar nicht).
Und aktuell brauche ich Collagen, Linoldrucke und Tusche-Illustrationen!Auf diese mir "neue" Art Kunst zu schaffen, hilft mir, mit Dingen in und außerhalb meines Kopfes fertig zu werden (was manchmal ganz schön viel auf einmal ist). Wenn du dich in all dem irgendwo wiedererkennst und mich und meine Mission des druck-reduzierten Kunstschaffens unterstützen möchtest, gib mir doch gern einen "Kaffee" unten aus :)


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© 2026 Laura Bachmann. Alle Rechte vorbehalten. Bitte verwenden Sie meine Bilder nicht ohne Genehmigung. Der Verkauf von Kunstwerken führt nicht zur Übertragung des Urheberrechts.

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